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Dreis-Tiefenbach
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Ortsvereine


Heimatverein Alte Burg
Dreis-Tiefenbach e.V.

Dreis-Tiefenbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Netphen (jetzt: Stadt Netphen) im Kreis Siegen-Wittgenstein. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1239.

Die Region ist geprägt durch Land- & Forstwirtschaft sowie den Erzbergbau und die Stahlindustrie.
 


Aktuelles


Briefe von der Front (1939-1945)

Im Obergeschoss des Heimatzentrums „Haus Pithan” soll die Industriegeschichte von Dreis-Tiefenbach bis in die Gegenwart dokumentiert werden. Aus diesem Grund nahm der Heimatverein auch mit der Firma Gontermann & Simon Kontakt auf, die jetzt am traditionsreichen Ort des alten Reckhammers tätig ist. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Karton mit über 350 Briefen und Karten übergeben, die Werksangehörige während ihrer Soldatenzeit (von der Ausbildung in Deutschland bis zur vorderste Front in Frankreich oder Rußland) an die „Korrespondenzabteilung der Firma Friedrich Oehler & Co.” geschrieben haben. Denn die Firma hielt offensichtlich in vorbildlicher Weise regelmäßigen Kontakt zu ihren Belegschaftsmitgliedern durch Briefe und Päckchen.

Das Thema wird auch im September-Kalenderblatt des Heimatkalenders 2006 aufgegriffen. Dieser befindet sich derzeit (Anfang August) gerade im Druck, und soll Anfang September verteilt werden, bzw. in den Verkaufsstellen im Ort bereit liegen.

Um die Bevölkerung über diesen Schatz zu informieren, wurden am 11. Aug. 2005 Pressevertreter vom Heimatverein zu einem Informationsgespräch in das Haus von Friedrich Wilhelm Oehler eingeladen. Dort wurden Beispiele aus dem großen Vorrat von Feldpostbriefen gezeigt und vorgetragen. Außerdem wurde folgende detaillierte Information ausgehändigt:

 
350 Feldpostbriefe spiegeln das Grauen des Krieges wider

60 Jahre nach Kriegsende einzigartige Sammlung in Dreis-Tiefenbach entdeckt


Jahrzehntelang in einer Schachtel verwahrt
„Hier war die Hölle! Vor einigen Wochen waren hier noch Dörfer, heute nur noch Trümmerhaufen”, schrieb Oswald Sch. aus Dreis-Tiefenbach am 29. Dezember 1942 von der Ostfront. Es stand in einem von über 350 Feldpostbriefen, die 38 Beschäftigte der Firma Friedrich Oehler & Co in Dreis-Tiefenbach während des Kriege an ihre „Arbeitskameradinnen und Kameraden” schickten. Die alte Schachtel mit diesen Dokumenten ist 60 Jahre lang in den Betriebsräumen der ehemaligen Firma Oehler verwahrt worden, obwohl die Inhaber in der Zwischenzeit mehrmals wechselten. Auch die jetzigen Betreiber Gontermann und Simon scheuten sich, den abgegriffenen Karton mit dem für sie meist unleserlichen Inhalt fortzuwerfen. Sie sprachen Ferdinand Lutz vom Heimatverein „Alte Burg” an, als dieser mit ihnen Kontakt aufnahm wegen der Dokumentierung der Industriegeschichte von Dreis-Tiefenbach im Hause Pithan, das zurzeit ausgebaut wird. Inzwischen wurden die Briefe geordnet und gesichtet sowie dazu einige weitere Nachforschungen angestellt.

Vorbildliche Firma Oehler
Doch wie entsteht eine solche einzigartige Sammlung von Feldpostbriefen bei einem Arbeitgeber? Auf Betreiben des Mitinhabers Friedrich Oehler, der selbst Frontoffizier im Ersten Weltkrieg gewesen war, wurde zu den einberufenen „Gefolgschaftsmitgliedern” nicht nur schriftlich Kontakt gehalten. Die Kollegen in den Kasernen und an der Front wurden auch mit Päckchen versorgt, die stets nützliche Kleinigkeiten für die Männer enthielten von Schreibpapier und Bleistiften über Zigaretten, Taschenspiegel und Rasierklingen sowie Zeitungen, Kerzen und warme Handschuhe bis zu Süßigkeiten. Ein Briefschreiber bestätigte, man merke bei der Auswahl der „Liebesgaben”, dass Herr Hans Fick, ebenfalls Mitinhaber, selbst Soldat sei. Karl E. aus Eckmannshausen brachte die Wichtigkeit der Sendungen für die Männer in der Ausbildung oder an der Front auf den Punkt: „Ein armer Landser freut sich über jede Kleinigkeit aus der Heimat.” Sogar Briefumschläge, auf denen die Anschrift der Firma aufgedruckt war, wurden zur Verfugung gestellt. Ständig müssen Angestellte der kleinen „Korrespondenzabteilung” mit den eingegangenen Briefen, mit dem Verfassen von Rundschreiben und Einzelantworten sowie mit dem Einkauf und auch mit Verpacken und Versenden der Päckchen beschäftigt gewesen sein. Darüber hinaus wurden die Briefe in der Regel abgeschrieben und an die Anschlagtafel geheftet. Wie überaus dankbar die Empfänger waren, zeigt ein Brief von Franz Sch. aus Dreis-Tiefenbach „an das weibliche Büropersonal” mit gepressten Rosenblüten. Hat es einen solchen vorbildlichen Aufwand für die an der Front stehenden Kollegen auch bei anderen Unternehmen gegeben? Und dass sich der Chef selbst ständig für seine Mitarbeiter interessierte, zeigen die vielen Briefe, die sein Namenszeichen „O” tragen.

Hoffnungen und Kämpfe
Von Afrika und Griechenland bis Lappland sowie von der französischen Atlantikküste bis Leningrad und bis zum Don reichten die Einsatzgebiete der Soldaten aus dem Dreis-Tiefenbacher Betrieb. Von der Ausbildung in Deutschland bis zu den entferntestenKampfplätzen funktionierte die nicht nur mit Tinte, sondern oft auch mit Tintenstift und Bleistift, teils „auf dem Knie” geschriebene Feldpost. In der Regel durfte zwar der genaue Standort nicht mitgeteilt werden. Aber aus den Mitteilungen lassen sich doch die Wege vieler Kriegsteilnehmer nachvollziehen. Auch das Krieggeschehen im Großen spiegelt sich in den Nachrichten wider einschließlich mancher Kampfabsichten, wenn etwa Josef K. aus Rudersdorf, der bereits die Landkarte von England studierte hatte, am 29. August 1940 aus Frankreich schrieb: „Denke, dass dies unser nächstes Ziel ist. Wenn alles klappt, schreibe ich eine Ansichtskarte von London.” Überhaupt ist in den frühen Briefen oft hoffnungsvoll vom weiteren siegreichen Kampfund dem baldigen Ende des Krieges die Rede. So berichtete auch Wilhelm F. mit spürbarem Stolz, dass er beim Einmarsch in Paris dabei war. Doch bald mischten sich auch schlimme Erlebnisse in die Mitteilungen. Nach der Beschreibung des Vormarsches durch Luxemburg und Belgien nach Frankreich, bei dem er acht Wochen nicht aus den Kleidern kam, stellte Karl H. am 3. Juni 1940 fest: „Die Strapazen und Leistungen der Truppe sind unvorstellbar.” Und am 18. Juni: „Wir sind seit dem 9. Juni ununterbrochen im Angriff.” Erich J., der nach Hinweisen in anderen Briefen später in Russland gefallen ist, lässt Schreckliches ahnen, wenn er noch von der Westfront am 15. Juni 1940 seine Arbeitskameraden wissen ließ: „Alles habe ich nicht anführen können an meinem Erlebten. Das behält man besser für sich; Ihr werdet das verstehen. Jedenfalls wird man um Jahre älter dabei.”

Zusätzliche äußere Erschwernisse
Die Horrormeldungen häuften sich mit dem Russlandfeldzug. Auch etliche Frankreichkämpfer der Oehler-Arbeiter wurden an der Ostfront eingesetzt, wo sie zusätzlich mit widrigen Verhältnissen zurechtkommen mussten. Erich J., der zwischendurch geheiratet hatte, beschwerte sich in seinem vorletzten Brief vom 16. Juni 1942 über „Kälte, Schnee, Schlamm, Läuse, Stechmücken, Staub, Hitze und zwischendurch wieder Schlamm. Es gibt nichts, worüber man sich freuen könnte.” Verschiedentlich berichteten die Soldaten über Erfrierungen infolge von Kälte bis zu 52 Grad, die zum Teil in der Heimat auskuriert werden mussten. So teilte Willi B. am 14. April 1944 aus dem Lazarett mit: „Wenn man mal 14 Tage ununterbrochen ohne Ablösung im Loch hockt, ist man mal schnell steif gefroren.” Welche Schneemassen zu bewältigen waren, lässt Josef K. mit seinem Brief vom 14. April 1942 ahnen: „Jetzt kommen Fahrzeuge zum Vorschein, die vollkommen eingeschneit waren.”

Lebensgefährliche Einsätze
Zu diesen äußeren Erschwernissen kamen die eigentlichen Kampfhandlungen, die anfangs zu großen Hoffnungen Anlass gaben. So erwartete Reinhard D. vor Smolensk am 29.Juli 1941: „In einigen Tagen werden wir wohl einen der größten Siege davontragen.” Doch Josef K. musste Gefährliches erlebt haben, als er am 22. August 1941 signalisierte: „Ich bin froh, dass ich noch lebe. Wir kämpfen um das Herz Russlands, um Moskau.” Robert Sp. hoffte am 19. November 1941, „dass wir Weihnachten in Moskau feiern können.” Um einige Erfahrungen reicher, teilte er am 17. April 1942 mit: „Der Russe ist für uns oft ein großes Rätsel.” Und zwei Monate später meldete er schwere Kämpfe mit großen Verlusten. Nachdem Hubert St. aus Dreis-Tiefenbach bereits vier andere Feldzüge mitgemacht hatte, war er auch vor Moskau im Einsatz. Dieser übertraf jedoch alles bisher Erlebte, wie er am l. Januar 1942 schilderte. Es war zum Nahkampf gekommen. „Sie standen bis auf 10 bis 15 Meter vor unseren Rohren. Entweder du oder ich. Es waren vier Stunden, aber die haben Nerven gekostet.” Reinhard D. wurde am 24. August 1942 am Don verwundet. Eine feindliche Bombe war völlig überraschend eingeschlagen: 15 Tote. Wie unberechenbar der Feind war, geht auch aus dem Brief von Elmar O. aus Dreis-Tiefenbach vom 10. Oktober 1942 hervor, der ebenfalls verwundet wurde: „Die Dreschmaschine (ein langsam fliegender russischer Doppeldecker) kommt jede Nacht und legt ihre Eier bei uns ab.” Die Stalinorgel „spielte”, wie sich Hubert St. ausdrückte, sehr oft vor Moskau. „Wenn 36 Granaten aus einem Gerät losgehen und zu gleicher Zeit einschlagen, da steht nicht mehr viel.” Von einem Splitter dieser Granaten war Willi B. getroffen worden, der am 26. August 1943 aus dem Lazarett einige Kilometer hinter der Front schrieb: „Aber diese schweren Tage des ersten Kampfes werde ich nie in meinem Leben vergessen können, wo manch guter Kamerad das junge Leben für sein Vaterland lassen musste. Ich kann nur unserm Herrgott danken, dass ich noch so aus diesem Granathagel herausgekommen bin.” Im August 1943 meldete sich auch Josef K. wieder, diesmal von der Donezfront. Die Stellung war ständig bedroht von der russischen Luftwaffe, so dass „man sich nicht aus dem Bau wagen” konnte. „Unheimlich brennt dazu die Sonne, dass man manchmal glaubt, man ginge ein.”

Erste Gefallene
Auch von anderen Frontabschnitten wie Norwegen oder Italien trafen bei der Korrespondenzabteilung der Firma Oehler Feldpostbriefe ein. Sie wurden aber insgesamt nicht zuletzt deswegen geringer, weil einige Arbeitskameraden gefallen und andere durch schwere Verletzungen dienstunfähig geworden waren. Erich J., der bereits an der Westfront gekämpft hatte, fiel kurz nach seiner Hochzeit 1942 in Russland. Besonders tragisch war das Schicksal der in Dreis-Tiefenbach wohnenden Familie R., deren Söhne Paul und Helmut bei der Firma Oehler tätig waren. Paul starb 1942 im Lazarett, Von Helmut, erst 19 Jahre alt, kam der letzte Brief im Mai 1944 von seinem Luftwaffenstützpunkt in Norwegen. Seit einem Spähtruppeinsatz ist er vermisst. Dazu starben zwei weitere Brüder in der Heimat, davon einer an den Folgen eines Kriegsleidens. Josef H. aus Frohnhausen, der zunächst den Frankreichfeldzug mitmachte, sich dann im ersten russischen Winter die Füße erfror, die er in Bad Münstereifel auskurierte, und dann wieder an die Ostfront musste, ruht seit 1943 ebenfalls in russischer Erde. Ebenso sah Josef K., der allein 33 Briefe und Karten schrieb, auch den letzten Brief vom 20. Juli 1944 in seiner humorvollen Art, Deutschland nicht wieder. K. war der einzige Ernährer seiner Familie, musste jedoch trotzdem an die Front, zumal die Familie als Nazi-Gegner bekannt war. Von Elmar O., der zunächst in Russland, dann in Frankreich, danach in Südeuropa und dann wieder in Russland im Einsatz war, kam die letzte Nachricht im August 1944. Er berichtete von mehreren lebensgefährlichen Einsätzen als Panzerfahrer. Im September bedankte sich seine Familie bei der Firma Oehler „für die innige Anteilnahme beim Heldentod unseres lieben Elmar”.

Letzte Kriegsmonate in Nordeuropa
Weitere Belegschaftsmitglieder der Firma Oehler sind gefallen oder vermisst, andere kehrten in die Lazarette der Heimat zurück. Einige meldeten sich jedoch auch noch in den letzten Kriegsmonaten, obwohl die Verbindung sicher immer schwieriger zu halten war. Vorn Nordabschnitt der Ostfront aus der Nähe von Leningrad berichtete Fritz W. am 15. April 1944 von der Abwehr eines russischen Angriffs auf einem zugefrorenen Fluss, den von 600 feindlichen Soldaten 450 bis 500 nicht überlebten. Im nächsten Brief vom 20. Juni teilte er mit, dass er sich „hoch im Norden” befinde, wo es „9 Monate kalter Winter und Regenzeit und die übrigen 3 Monate eine Bullenhitze” gebe. „Um Mitternacht kann man noch im Freien ganz gut seine Zeitung lesen.” Den Verlauf des Krieges konnte er dort offenbar nicht so genau verfolgen, denn seinen letzten Brief vom 24. Januar 1945 schloss er: Auch Walter F. aus Netphen, der sich im September 1944 bereits in Nordrussland auf dem Rückzug befand, hoffte noch, dass bald . Norbert W. schlug sich in dieser Zeit 1600 Kilometer weit von Finnland durch Lappland nach Norwegen durch.

Die Irrfahrten des Hubert St.
Besondere Beachtung verdient die Odyssee von Hubert St. Nachdem er den Arbeitsdienst abgeleistet hatte, war er bereits im September 1939 in Polen im Einsatz. Im Frühjahr 1940 stand er an der Westfront, „sprungbereit” am Kanal. Seine Aufgabe war es, „als Batterieschlosser die Kanönchen in Schuss zu halten”. Doch dann meldete er sich im November 1940 aus Ostoberschlesien. Später absolvierte er eine Ausbildung in der Tschechoslowakei und gelangte über Rumänien und Bulgarien nach Griechenland. Am 9. Mai 1941 berichtete er aus Argos: Bei der dortigen Hitze vermisste er sehr das Siegerländer Bier, zumal der Wein für ihn ungenießbar und der Gebrauch des Trinkwasser wegen Ruhrgefahr verboten war. Im September stand er wieder in Polen auf Wache und am 1. Januar 1942 meldete er sich aus Russland. Bei den verschiedensten Anlässen und Gelegenheiten verfasste er Reime. So entstand in dieser Zeit auch ein Gedicht über Dreis-Tiefenbach mit seinem Elternhaus. Im Juli/August 1942 weilte er zur Ausbildung in Offenburg. Diese Gelegenheit nutzte er zur Heirat am 22. Juli. Dann musste er wieder an die Ostfront zurück. Auch den Winter 1943/44 erlebte er dort. Im Oktober war er jedoch wegen einer vor mehreren Monaten zugezogenen Verletzung im Lazarett in Schlesien. Noch am 9. Mai 1945 geriet er in der Tschechoslowakei in Gefangenschaft und wurde in ein Arbeitslager in den Ural verfrachtet. Nachdem Hubert St.; dessen Bruder Karl im Frühjahr 1944 den „Heldentod” starb, auch noch jahrelang die Schrecken russischer Gefangenschaft ertragen hatte, kam er im Mai 1949 wieder in die Heimat, wo ihn außer seiner Frau seine fast vierjährige Tochter erwartete. Der „Dank des Vaterlandes” bestand aus einer Entschädigung von 1.020 Mark, die jedoch erst 1955 bewilligt wurde. Und wer ihn gekannt hat, muss bestätigen, dass er nach dem Kriege nicht mehr der humorvolle und gesellige Kumpel von früher war, sondern dass Krieg und Gefangenschaft bleibende Spuren in seinem Gemüt hinterlassen hatten. Und so erging es sicherlich den meisten seiner Kriegskameraden.


Dreis-Tiefenbach, im August 2005

Ferdinand Lutz
 





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