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Dreis-Tiefenbach
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Ortsvereine

Heimatverein Alte Burg
Dreis-Tiefenbach e.V.

Dreis-Tiefenbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Netphen (jetzt: Stadt Netphen) im Kreis Siegen-Wittgenstein. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1239.

Die Region ist geprägt durch Land- & Forstwirtschaft sowie den Erzbergbau und die Stahlindustrie.
 


Auszug aus dem Dreis-Tiefenbacher Heimatbuch (Wilhelm Schäfer, 1962)


 

 

 

 

 

 

I. DIE FRÜHGESCHICHTE

 

1. Dorfgründung und Name

    Unser Dreis-Tiefenbach besteht seit alters her nicht nur aus den beiden Ortsteilen, die der Doppelname zu erkennen gibt, es sind sogar drei: Dreisbach, Wernsbach und Tiefenbach. Während Tiefenbach, der jüngste, erst im 16. Jahrhundert entstanden ist, wird der Ortsteil Wernsbach seit dem Jahre 1461 in den Steuerschatzungen der Gemeinde Dreisbach erwähnt. Demnach muß Dreisbach das älteste amtliche Glied im Gemeindeverband sein. In der Tat erscheint der Name Dreyspe in einer Urkunde des Jahres 1239. Eine kirchliche Urkunde, bekannt unter der Bezeichnung Sedes in Nepphe, führt um 1300 den Ort als comunitas in Drisphe mit der Mühle daselbst als abgabepflichtig an das Archidiakonat Mainz auf. (Die Kirche in Netphen gehörte damals zum Dekanat Arfeld, Diakonat Amöneburg und Archidiakonat [Erzbistum] Mainz.) Eine spätere Urkunde aus dem Jahre 1303 berichtet von Dreesphe; 1344 und danach wird wieder Dreyspe genannt (Staatsarchiv Koblenz 54/32, Nr. 2485).

    "Mehr als ein Drittel der Siegerländer Ortschaften sind nach den Gewässern benannt, an welchen sie liegen", schreibt der Archivar Dr. Philippi im Siegerländer Urkundenbuch, und Dr. Böttger erklärt in der Siedlungsgeschichte des Siegerlandes: "Die Bachnamenendung -pe, -e (-phe) findet sich im Siegerland in Dielfe, Netphe, Litfe, Leimpe, Fischpe und Dreispe (Driesphe). Nach Edward Schröder geht sie zurück auf keltisch ab, während sie von anderen für germanisch gehalten wird. Es sind also, wenn wir Schröders Auffassung folgen, germanisch-keltische Mischwörter. "Feststehende Tatsache sei, stellt Böttger fest, daß die Siegerländer -pe- und -fe-Orte an den siedlungsgünstigsten Stellen des Landes lägen. Der Grund für die dennoch verhältnismäßig spät erfolgte


 




Besiedlung solcher Flecken sei einesteils in dem feucht-kühlen Klima des Landes zu suchen; denn im Gegensatz zu anderen Landschaften wurde das Siegerland als ausgesprochen siedlungsfeindlich empfunden. Zum anderen seien es aber auch die stark versumpften Täler gewesen, die das Entstehen von Talbodensiedlungen erst recht spät gestatteten.

    Daß es mit den Orten auf -pe und -Je noch eine besondere Bewandt-nis hatte, beweisen die statistischen Angaben über Einwohnerzahlen und Steuerkraft aus dem 15. Jahrhundert. Hierin wird diesen Orten eine bevorzugte Stellung eingeräumt, woraus mit aller Wahrscheinlichkeit entnommen werden darf, daß diese Siegerländer Siedlungen zu den ältesten des Landes gehören. Demgemäß darf ihr Entstehen z. T. in der La-Tène-Zeit, also in der vorgermanischen, oder in der gemischten, der germanisch-keltischen Zeit (etwa um 500 v. Chr.), angenommen werden. Nicht unerwähnt darf hierbei der Fund eines Steinbeils bleiben, den die Erdarbeiten zum Bau der neuen katholischen Schule in Tiefenbach im Jahre 1929 zu Tage förderten. Ein zweiter Fundort ergab sich beim Bau der Siedlung auf der Meinhardt. Da diese Funde jedoch nur vereinzelt zu verzeichnen sind, müssen wir sie als Streufunde betrachten und dürfen keineswegs auf eine Siedlung in der jüngeren Steinzeit schließen.

    Die Wiege des alten Dreyspe stand auf alle Fälle im Dreisbachtal, am Fuße der Flur Breitenrath. An der Sonnenseite gelegen, gegen Westwinde geschützt, zeichnen sich heute noch deutlich die alten Siedlerstellen im Gelände ab. So führt ein uralter Fußpfad vom Hause des Schuhmachermeisters Junk in der Hilchenbacher Straße ausgehend auf die genannten Stellen zu. Auch fand man gegenüber diesen Siedlungsanlagen im Jahre 1888 beim Bau des Wohnhauses Hilchenbacher Straße Nr. 18 eine alte Begräbnisstätte.

    In Anbetracht der Lebensbedingungen unserer Altvordern bezüglich Jagd, Fischfang und Weide muß der Siedlungsplatz am Dreisbachtal in der unmittelbaren Nähe des breiten Siegtales als ideal bezeichnet werden.

    Beim Begehen der Habach und der Seelbach findet man sowohl über der Habacher Feldflur als auch in der Seelbach (Breitetal), ja auch noch oben auf dem Bergrücken selbst eingeebnete Geländestellen (ehemalige Ackerflächen), sogenannte Hochäcker. Berufene Forscher haben festgestellt, daß Kelten und auch Germanen vor Beginn unserer Zeitrechnung auf ihren Wanderungen die naturgegebenen Höhenwege unserer Berge benutzten und sich in ihrer Nähe ansiedelten, wie die spatenerforschten Hochäcker auf der Kalteiche und an anderen Orten bestätigen (Siedlungsgeschidite des Siegerlandes, Dr. Böttger).


 




Auf Grund dieser Forschungen kann wohl vermutet werden, daß auch die ersten Dreisbacher Siedler von einer Höhensiedlung, und zwar von der Seelbachhöhe, herunter zum Breitenrath gezogen sind. (Spatenforschungen wurden durch die jahrhundertelange Haubergswirtschaft und die damit verbunde Kornsaat sehr erschwert.)

    Im September 1953 fand man während der Erdarbeiten zu den Wohnblocks der Amts-Wohnungsbau-Genossenschaft in der Austraße (Heln Hof) etwa 60 cm unter der Erdoberfläche weitläufige, dicke Ascheschichten und in deren Nähe alte Scherben sowie einen Handmahlstein in Form eines Bügeleisens (Getreidequetsche) und einige alte, stark verrostete Hufeisen. Desgleichen wurden ein paar Feuerstellen freigelegt. Der Archäologe Dr. Beck vom Landesmuseum in Münster und der erfolgreiche Spatenforscher Hauptlehrer Krasa stellten Pingsdorfer und Badorfer Scherben aus der Karolingerzeit fest. Dieser dritte Fund jener Art im Siegerlande, erklärten beide Forscher, bestätige erneut die von ihnen erkannte Verbindung zwischen La-Tène- und Karolingerzeit. Es handele sich um frühmittelalterliche Bodenfunde aus der Zeit um 800 bis 1000. Zu dieser Zeit begann man damit, die Täler zu roden; die Siedler jener ersten Talsiedlungen schützten sich durch Anlegen von Hecken und Bollwerken gegen unbequeme Nachbarn.

    Da in den Ascheresten keine Schlacken gefunden wurden und merkwürdigerweise die dicht vorbeifließende Sieg hier den Namen Kohlwasser führt, so kann mit Sicherheit angenommen werden, daß es sich um eine ausgedehnte, bedeutende Köhlerstelle gehandelt hat. Mit aller Bestimmtheit ist auch anzunehmen, daß an dieser Stelle die Wiege vom Ortsteil Wernsbach stand, der damit in unserer Gegend zu den ersten Talsiedlungen zählt.

    Um jene Zeit werden wohl auch die Siedler vom Breitenrath im Dreisbachtal zum breiteren Siegtal weitergezogen sein, um hier das Dorf Dreyspe (Drisphe) zu bauen und einem neuen Handwerk zu huldigen, dem der Waldschmiede. Auch sie versuchten ihre Siedlungen zu schützen, indem sie Landwehren errichteten, wie die Flurnamen Heckersberg, Lampert und Bollwerk (Höhe von Liesch bis Bittenbach) zu erkennen geben.


 




Sedes in Nepphe

Item prima parocia Irmengarten VI denaris
   "   Nepphe VI hl et molendium (Mühle) IV hl
   "   Affholderbach VI denar.
   "   Rindensdorf et Eernsdorff VI hl
   "   Bruersdorf VI hl
   "   comunitas Setze VI hl
   "   comunitas Neynkestorff VI den. et molendinum IV hl
   "   comunitas Gedeckelshusen vel Eckmashusen VI denar.
   "   Hertshusen molendinum IV hl
   "   comunitas Cunzenbach IV den. et duo malter avenae (zwei Malter Hafer; zum Füttern der Pferde des Propstes)
   "   molendinum Obirna VI denar.
   "   comunitas in Drisphe IV hl
   "   molendinum ibidem IV hl
   "   comunitas Atzhusen VI lii
   "   molendinum ibidem II denaris
   "   comunitas in parochia Helchenbach II sol
   "   Dutze IV hl et molendinum VI hl

    (Eine Abschrift der Urkunde aus der Zeit um 1300, in welcher Drisphe als Kommune [Gemeinde] verzeichnet ist,)

 

 

2. Die Alte Burg

    Ein altbekanntes Dreisbacher Wahrzeichen ist der Felsen Alte Burg. Heute hauptsächlich erwähnt als Bus-Haltestelle an der Gastwirtschaft gleichen Namens gegenüber dem Haupteingang der Siegener Eisenbahnbedarfs-Aktiengesellschaft, war er zur Zeit der Dorfgründung von Bedeutung. Leider ist die Spatenforschung an dieser Stelle durch Planierungsarbeiten des früheren Besitzers der Gastwirtschaft, Friedrich Hoffmann, sehr erschwert worden. Hoffmann richtete um das Jahr 1890 oben auf dem Burggelände eine Sommerwirtsdiaft ein und nahm dazu umfangreiche Erdarbeiten vor, bei denen aller Wahrscheinlichkeit nach Funde, welche Aufschluß über Alter und Zweck der Anlage hätten geben können, vernichtet wurden.

    Freigelegt wurde auf dem mittleren Plateau eine in den Fels gehauene etwa 4 m tiefe Zisterne. Einer polizeilichen Anordnung zufolge mußte sie jedoch wieder zugeschüttet werden. Hinter dem äußeren Wall entdeckte man im Jahre 1920 bei Rodungsarbeiten im Hauberg eine Pflasterung mit Feuerstelle. Erstere mag vielleicht von einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude hergerührt haben. Auf alle Fälle hatte die ganze Anlage das Aussehen einer Schutz- und Verteidigungsstelle und wird heute noch von erfahrenen Forschern als eine vordynastische Turmburg aus der Zeit um das Jahr 1000 angesehen.


 




    Einst hatten die Frankenkaiser die Verwaltung ihres Reiches den Klöstern und Kirchen übertragen, die ihrerseits wieder Vögte in ungenau begrenzten Bezirken einsetzten. Infolge der dann planmäßig durchgeführten Rodungen der Talniederungen vergrößerten sich deren Verwaltungsbezirke ständig.

    Nach dem Verfall des fränkischen Reiches um 900 ergriffen die Vögte Besitz von dem bisher von ihnen verwalteten Gebiet, machten sich zu Großgrundbesitzern, aus denen später Ritter wurden, bauten überall im Lande ihre Burgen und gründeten so um das Jahr 1000 ihre Dynastien. Auf diese Art kamen die Täler für Jahrhunderte unter die Herrschaft von Kirche und Adel; auch in Drisphe geschah es so.

    Ein solcher Vogt oder Großgrundbesitzer war es vielleicht, der zu seinem Schutze die Anlage (Turmburg) hat bauen lassen, in die er sich ritt seinen Getreuen bei Gefahr zurückziehen konnte. Von diesem Felsen aus ließ sich auch die alte westfälische Handelsstraße kontrollieren. Waren solche Turmburgen zwar verhältnismäßig klein und mit späteren Ritterburgen absolut nicht zu vergleichen, so waren sie in bergigem Land als Zungenburgen (Bezeichnung für Höhenburg im Gegensatz zu Gräften = Wasserburgen) seinerzeit ein Begriff.

    Bis zum Jahre 1590 nachweislich waren es die Ritter Daube von Seelbach-Lohe, in deren Besitz sich der Daubebof, unterhalb der alten Burg gelegen, befand. Im übrigen zählte das Rittergeschlecht der Dauben von Seelbach-Lohe zu den ältesten Dynastien des Siegerlandes. So erwähnt eine Urkunde aus dem Jahre 1353 den Ritter Friedrich Daube von Seelbach-Lohe als Zeugen bei einem Vermächtnis, in dem eine Rente aus dem Hensengut in Driesphe an das Stift Keppel überreicht wird (s. Urkunde). Anno 1461 gaben die Ritter Daube von Seelbach-Lohe ihre Reichsritterschaft auf, um Lehnsherren der Grafen von Nassau zu werden. In der Zeit von 15801590 verschuldete das Geschlecht total; Besitz an der Alten Burg aber fiel durch Verpfändung dem Bankier Obenstrut in Siegen zu.


 




    Wie dem auch sei, ob einstmals Vogt oder später Ritter, historisch ist festgestellt worden, daß zu jener Zeit die ersten Ritter mit Vorliebe alte germanisch-keltische Kultstätten und fränkische Stützpunkte, sogen. Saalas, zu Verteidigungszwecken umgebaut haben. In diesem Falle liegt die Annahme näher, daß es sich um eine germanische Kultstätte gehandelt haben muß, da gerade die Germanen vorspringende Felsnasen bevorzugten und mit Wällen umgaben. Unterstrichen könnte diese An-nahme noch durch die vorhandenen Flurnamen germanischen Ursprungs werden. Finden sich in der Umgebung doch Bezeichnungen wie Riechpad (an die Göttin Frigga gerichtet) oder Am Rosenmensch (auf Wodan oder die Asen bezogen).

Auszug aus dem Siegener Urkundenbuch

    Am 10. Febr. 1353 überreicht Heinrich, Decant zu Arfeld und
Pfarrer zu Nepphe, dem Stift Keppel eine aus zwei Häusern in
Siegen und aus dem Hensengut zu Driesphe jährlich zu beziehende
Rente von zwei Gulden zur Stiftung seines seylgerede (Totenmesse).
Die Nonnen zu Keppel verpflichten sich zur Abhaltung des seylgeredes. (nach Philippi)

 





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